Nussknacker und Mausekönig

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Das Märchen lesen

Am vierundzwanzigsten Dezember durften die Kinder des Doktor Stahlbaum den ganzen Tag über nicht in das Wohnzimmer hinein. In einem Winkel des Hinterstübchens unterhielten sich Fritz und Marie und wunderten sich, was der Pate Droßelmeier ihnen schenken würde. Fritz meinte es könne wohl diesmal nichts anderes sein, als eine Festung, in der allerlei sehr hübsche Soldaten auf und ab marschierten und exerzierten Und dann müssten andere Soldaten kommen, die in die Festung hineinwollten, aber nun schössen die Soldaten von innen tapfer heraus mit Kanonen, dass es tüchtig brauste und knallte.
"Nein, nein", unterbrach Marie Fritz: "Pate Droßelmeier hat mir von einem schönen Garten erzählt, darin ist ein großer See, auf dem schwimmen herrliche Schwäne mit goldenen Halsbändern herum und singen die hübschesten Lieder. Dann kommt ein kleines Mädchen aus dem Garten an den See und lockt die Schwäne heran, und füttert sie mit süßem Marzipan." "Schwäne fressen kein Marzipan", fiel Fritz etwas rau ein, "und einen ganzen Garten kann Pate Droßel- meier auch nicht machen."
Es war ganz finster geworden. Der große Tannenbaum in dem Wohnzimmer trug vielegoldene und silberne Äpfel und um den Baum umher glänzte alles sehr bunt und herrlich! Marie erblickte die zierlichsten Puppen und Fritz - die neue Schwadron Husaren, die sehr prächtig in Rot und Gold gekleidet waren, lauter silberne Waffen trugen und auf solchen weißglänzenden Pferden ritten.
Nur die Geschenke vom Paten Droßelmeier waren nicht da. Die Kinder wollten ihn danach nicht fragen, da sie zu höflich waren, aber nach einer Weile näherte sich die kleine Marie dem alten Mann und gab ihm ein kleines Bild von einer lila Fee mit den Worten „Ich habe es speziell für dich gemalt!“
Pate Droßelmeier war so gerührt, dass er ein kleines weißes Paket mit rotem Band aus seiner Manteltasche rausholte. Der Mann gab es den Kindern und sagte „Was habe ich für den kleinen Fritz und Marie mitgebracht? Wer will das Geschenk öffnen?“
Das Paket war ziemlich klein und Fritz war enttäuscht, weil er ein Schloss für seine neuen Husaren erwartete. Deshalb gab er das Geschenk Marie. Marie selbst war sehr aufgeregt, nahm das Paket ungeduldig und wunderte sich was drinnen sein könnte. Sie hoffte, dass Pate Droßelmeier ihr eine zauberhafte Puppe gekauft hatte.
Und so packte sie das Geschenk aus, tatsächlich lag eine Puppe in der Packung, aber das war ein sehr besondere Puppe - nämlich ein sehr vortrefflicher kleiner Mann, dessen Kopf zu groß aussah und dessen Bein- chen zu klein waren. Es stand dem Mann gut, dass sich um sein Kinn ein wohlfrisierter Bart von weißer Baumwolle legte, denn um so mehr konnte man das süße Lächeln des hochroten Mundes bemerken - das war ein echter Nussknacker.
Marie nahm ihn sogleich in den Arm und jauchzte auf vor Freude. Da sprach Pate Droßelmeier: "Da dir, liebe Marie, Freund Nussknacker so sehr gefällt, so sollst du ihn auch besonders hüten und schützen.“ Fritz war unterdessen vom vielen Exerzieren und Reiten müde geworden, und da er so lustig Nüsse knacken hörte, sprang er hin zu seiner Schwester und lachte recht von Herzen über den kleinen drolligen Mann.
Da Fritz auch Nüsse essen wollte, konnte er mit dem Auf- und Zuschnappen gar nicht aufhören. Er schob immer die größten und härtesten Nüsse hinein.
Aber mit einem Male ging es – krack – krack – und drei Zähnchen fielen aus des Nussknackers Munde, und sein ganzes Unterkinn war lose und wackelig.
"Ach mein armer lieber Nussknacker!" schrie Marie laut, und nahm ihn Fritz aus den Händen. Sie fing an heftig zu weinen, und wickelte den kranken Nussknacker schnell in ihr kleines Taschentuch ein. Dann kam ihre Mutter herbei und sagte: „Weine nicht mein Kind, ich werde noch morgen Paten Droßelmeier bitten, neue Zähne für den Nussknacker zu machen.“
Es war später Abend geworden, ja Mitternacht im Anzuge, und Pate Droßelmeier längst fortgegangen, als Marie noch gar nicht weg wollte von dem Tannenbaum und dem Nussknacker. Jetzt legte sie ihn behutsam unter den Baum und schlief ein neben ihm, damit er sich nicht einsam fühlte.
Die Wanduhr schlug um Mitternacht und Marie wachte auf. Es dauerte eine Weile bis das Mädchen endlich verstand, dass sie nicht in dem eigenen Bett war, sondern im Wohnzimmer unter dem Tannenbaum. Dann erblickte sie Pate Droßelmeier, der statt der Sterne auf dem Tannen- baum saß, aber sie richtete sich auf und rief laut und weinerlich: "Pate Droßelmeier, Pate Droßelmeier, was willst du da oben? Komm herunter zu mir und erschrecke mich nicht so!" Aber Pate Droßelmeier antwortete nicht, weil er eine Puppe war.
Marie erinnerte sich an ihren Freund, den Nussknacker, und so fand sie ihn unter dem Baum. Als sie seinen Namen rief, machte er ein ganz schiefes Maul und aus seinen Augen fuhr es heraus, wie grün funkelnde Stacheln. In dem Augenblick aber, dass Marie sich recht entsetzen wollte, erkannte sie es ja wieder als des ehrlichen Nussknackers wehmütig lächelnden Gesichts.
Auf einmal hörte Marie seltsame Geräusche, sie drehte sich um und was sie erblickte war fast unwirklich. Tausende kleine funkelnde Augen! Das Zimmer war voller Mäuse, die hervorguckten und sich vorarbeiteten. Bald ging es trott – trott – hopp hopp in der Stube umher – immer lichtere und dichtere Haufen Mäuse galoppierten hin und her und stellten sich endlich in Reih und Glied. Und ganz vorne stand eine abstoßende Kreatur mit sieben Mäuseköpfen und sieben hellfunkelnden Kronen. Das war der Mausekönig.
Vor Angst und Grauen hatte Marie das Herz schon so gepocht, dass sie glaubte, es müsse nun gleich aus der Brust herausspringen. Sie wollte wegrennen, aber dann sagte ein ganz feines Stimmchen: "Aufgewacht – aufgewacht – woll‘n zur Schlacht – noch diese Nacht – aufgewacht – auf zur Schlacht." Das war der Nussknacker selbst und damit zog er sein kleines Schwert und schwang es in die Luft. Hinter ihm stand eine Armee von Puppen, Husaren und Plüschtieren und er rief "Ihr meine lieben Vasallen, Freunde und Brüder, wollt ihr mir beistehen im harten Kampf?"
Die Schlacht war atem- beraubend, aber der spektakulärste Kampf war zwischen den beiden Feldherren. Der mutige Nussknacker war schon auf dem Boden und der Mausekönig biss ihm in die Arme und die Beine mit seinen sieben Köpfen. Es schien so, als würde die Armee der Nuss- knacker die Schlacht verlieren.
Nun waren die Spielzeuge vom Feinde dicht umringt, in der höchsten Angst und Not. Marie wusste sich nicht mehr zu fassen, "O mein armer Nussknacker – mein armer Nussknacker!" So rief sie schluchzend, fasste nach ihrem linken Schuh und warf ihn mit Gewalt in den dicksten Haufen der Mäuse hinein auf ihren König. In dem Augenblick schien alles verstoben und verflogen, aber Marie empfand am linken Arm einen noch stechenderen Schmerz als vorher und sank ohnmächtig zur Erde nieder.
Als Marie wie aus tiefem Todesschlaf erwachte, lag sie in ihrem Bettchen und die Sonne schien hell und funkelnd durch das Fenster. In der Küche erwartete Pate Droßelmeier Marie mit dem Nussknacker in den Händen. Er hatte seinen Kiefer repariert und die Puppe sah wie neu aus. Marie war sehr froh, bedankte sich bei ihrem Paten und erzählte ihm ihren Traum. "Also Marie", fing er an, "sage mir, ob du die Geschichte von der Prinzessin Pirlipat kennst?" "Ach nein", erwiderte Marie, "erzähle, lieber Pate Droßelmeier' erzähle!"
„Einmal, vor vielen Jahren, gab es in dem Palast des Königs tausende Mäuse in der Küche. Sie aßen das Fleisch, das für das feierliche Abendessen zu Weihnachten vorbereitet wurde. Der König war sehr wütend und befahl dem Erfinder im Hof, Droßelmeier, Mausefallen zu bauen und sie auf den Küchenboden zu stellen.
Viele von den Mäusen gingen in Droßelmeiers Maschinen hinein und wurden, als sie eben den Speck wegnaschen wollten durch ein plötzlich runterfallendes Gitter gefangen und hingerichtet. Der Hof jubelte, aber niemand wusste, dass die Mausekönigin den Tod ihrer Soldatennicht ungerächt lassen würde. In der Tat erschien sie im Palast und sagte dem König „Meine Soldaten sind erschlagen, gib wohl acht, dass Mausekönigin dir nicht dein Prinzesschen entzweibeißt gib wohl acht.' Darauf verschwand sie wieder.
Der König war so erschrocken, dass er sofort befahl, sieben Katzen das Bett von der Prinzessin in der Nacht zu bewachen. Es war schon Mitternacht und alle Katzen schliefen schon. Die Mause- königin kroch auf das Bett der Prinzessin und biss sie.
Doch wie groß war ihr Schrecken, als sie sich im Spiegel anblickte und sah was aus ihr geworden war. Statt des goldgelockten Engels- köpfchens saß ein unförmiger dicker Kopf auf einem winzig kleinen zusammengekrümmten Leibe, die azurblauen Äuglein hatten sich in grüne hervor- stehende starrblickende Augen verwandelt, und das Mündchen hatte sich verzogen von einem Ohr zum andern.
Als der König seine Tochter erblickte, erließ er den weisen Befehl: Droßelmeier habe binnen vier Wochen die Prinzessin Pirlipat in den vorherigen Zustand zu bringen, oder wenigstens ein bestimmtes untrügliches Mittel anzugeben, wie dies zu bewerkstelligen sei, im schlimmsten Fall dem Tod unter dem Beil des Henkers zu entgehen. Droßelmeier erschrak nicht wenig und da er kein Zauberer, sondern nur ein Erfinder war, hatte er keine andere Wahl als dem seltsamen Rat seines Freundes zu folgen. Die Prinzessin musste die härteste Nuss im Königreich essen. Diese Nuss musste aber von einem Manne, der noch nie rasiert worden und der niemals Stiefel getragen hatte, vor der Prinzessin aufgebissen und ihr von hm mit geschlossenen Augen der Kern dargereicht werden. Erst nachdem er sieben Schritte ohne zu stolpern rückwärts gegangen war, durfte der junge Mann wieder die Augen schließen.
Der König, völlig verzweifelt und hoffnungslos, versprach seine Tochter und sein Reich dem jungen Mann, der die Nuss nur mit den Zähnen zerbrechen kann. Drei Tage und drei Nächte hatte Droßelmeier ununterbrochen nach dem jungen unrasierten Mann gesucht, aber keiner konnte die Nuss öffnen.
Zu dieser Zeit war in der Stadt auch der Neffe des Erfinders Droßelmeier. Nachdem der letzte Kandidat bei seinem Versuch fast ohnmächtig weg- getragen wurde, meldete sich der artige sanfte Jüngling Droßelmeier und bat, auch den Versuch beginnen zu dürfen. Keiner wie der junge Droßelmeier hatte so sehr Prinzessin Pirlipat gefallen. Der Junge hatte den König und die Königin höflich begrüßt, nahm die Nuss ohne weiteres zwischen die Zähne, zog stark den Zopf an, und Krak – Krak zerbröckelte die Schale in viele Stücke. Geschickt reinigte er den Kern von den noch dranhängenden Fasern und überreichte ihn mit einer untertänigen Verbeugung der Prinzessin, worauf er die Augen verschloss und rückwärts zu schreiten begann.
Der junge Droßelmeier hatte noch seine sieben Schritte zu vollenden. Er streckte eben den rechten Fuß aus zum siebten Schritt und als er den Fuß niedersetzen wollte, stolperte der Junge, so dass er beinahe gefallen wäre. O Missgeschick! Sein Körper war zusammengeschrumpft und konnte kaum den dicken unförmigen Kopf mit großen hervorstechenden Augen und dem breiten entsetzlich aufstehenden Maule tragen. Statt des Zopfes hing ihm hinten ein schmaler hölzerner Mantel herab, mit dem er die untere Kinnhälfte bewegte.
Um den jungen Droßelmeier hatte sich niemand gekümmert, die Prinzessin erinnerte aber den König an sein Versprechen, und sogleich befahl er, dass man den jungen Helden herbeischaffe. Als nun aber die Prinzessin den jungen Droßelmeier in seiner Missgestalt erblickte,hielt sie beide Hände vors Gesicht und schrie: „Fort, fort mit dem abscheulichen Jungen!“ Alsbald ergriff ihn auch der Hofmarschall bei den kleinen Schultern und warf ihn zur Türe heraus. Und so endete die Geschichte vom Paten Droßelmeier.
Diese Nacht konnte Marie nicht ein- schlafen, man hörte seltsame Ge- räusche, als würden kleine Steine hin und her geworfen und gerollt. "Ach die Mäuse, die Mäuse kommen wieder", rief Marie erschrocken, als sie sah, wie der Mausekönig sich durch ein Loch der Mauer hervorarbeitete. Dann pfiff er wieder zwischen den Zähnen. "Du muss mir deine Zucker-, deine Dragantpuppen geben, kleines Ding, sonst zerbeiß ich deinen Nuss- knacker, deinen Nussknacker" Das Mädchen gab ihm ihre Zuckerpuppen und ihr Marzipan. Der Mausekönig aß gierig alles auf einmal.
Aber er wollte mehr und mehr. Marie gab ihm den Stollen, dann den Weih- nachtspudding und am Ende wusste sie nicht, was sie machen sollte, da einfach nichts übrig geblieben war. Dann dachte das kleine Mädchen daran, was ihre Mutter am nächten Tag sagen würde, wenn sie erfährt, dass alle Süßig- keiten weg sind. Und so fing Marie an zu weinen. Das alles hatte der Nussknacker gehört und plötzlich den Mausekönig ange- griffen, indem er seine sieben Köpfe abbiss und die böse Kreatur ermordete.
Marie nahm den Nussknacker mit ins Bett, während alle Plüschtiere, Puppen und Spielzeuge sich in Maries Zimmer versammelten und die ganze Nacht lang feierten.
Am nächten Morgen rannte Marie schnell zu ihrer Mutter, ungeduldig zu erzählen, was ihr letzte Nacht passiert war. Als die Mutter die Geschichte vom Nussknacker und dem Mausekönig hörte, sagte sie: "Du hast einen langen sehr schönen Traum gehabt, liebe Marie, aber schlag dir das alles nur aus dem Sinn." Marie bestand hartnäckig darauf, dass sie nicht geträumt, sondern alles wirklich gesehen habe, das Mädchen zeigte ihr sogar die sieben Kronen des Mausekönigs, aber die Mutter wollte ihr nicht glauben.
Zurück in ihrem Zimmer, nahm Marie den Nussknacker in die Hand und sagte ihm weinend „ Oh lieber Nussknacker, sie können mich nicht verstehen, aber ich werde dich immer schützen und lieben“ Und dann hörte Marie die Stimme des Paten Droßelmeier.
Als Marie zu Pate Droßelmeier ging und auch ihm ihre Geschichte erzählen wollte, bemerkte sie, dass er nicht allein war, sondern sein Neffe, der junge Droßelmeier aus Nürnberg auch gekommen war. Er hatte ein sehr hübsches Lächeln und war zwar klein, aber ein sehr wohlgewachsener junger Mann. Und Marie wusste schon, dass die beiden eines Tages heiraten würden.

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